Junge Frau im Dirndl schaut durch Breze

Wiwi-Arbeitsmarktreport 2014

Das kann sich sehen lassen: der Arbeitsmarkt 2014 für Wirtschaftswissenschaftler.

Na, weißt du schon, was du an Silvester machst?

Die Silvesterfrage gehört mit den Lebkuchen zu den Dingen, die bereits im Herbst Hochkonjunktur haben – und die nur wenige wirklich wahrhaben möchten. Denn während die einen noch den Sommerwind in den Haaren spüren und vehement versuchen, sich gegen das Ende des Jahres zu stemmen, sind die anderen froh, dass sich 2013 in den Ruhestand begibt. Froh, weil jeder Tag der letzten Monate schier aus allen Nähten platzte:

Bachelorarbeit hier, Masterthesis da, Zusatzschichten im Nebenjob, Lernmarathon für die letzten Klausuren und gleichzeitig wurde noch versucht, mit einem Auge sämtliche Stellenbörsen zu scannen. Das strengt an, das laugt aus und die banale Frage nach der Silvesterplanung 2013 verdrängt diejenige nach der Berufs- und Lebensplanung 2014: ›Was wird wohl aus mir werden? Wer braucht mich und finde ich das, wonach ich suche?‹

Dabei kommen doch BWLer beziehungsweise Wirtschaftswissenschaftler überall unter. Oder?

Pauschal lässt sich dies jedoch nicht beantworten, denn wie Ingenieure und  Lehrer sind auch Wirtschaftswissenschaftler nicht vor dem Schweinezyklus, dem Wechsel von Knappheit und Überangebot, gefeit. Was also tun, um sich gegen die vielen Kommilitonen durchzusetzen und einen guten Job abzugreifen? Die Zahl der ›Konkurrenten‹ ist vor allem bei den BWLern sehr hoch. Im Wintersemester 2012/13 war das Fach mit 209.724 Studenten das am stärksten besetzte – zusammen mit den anderen 84.307 Wirtschaftswissenschaftlern machten sie alleine in diesem Zeitraum fast zwölf Prozent der ganzen Studentenschaft aus. Um sich von dieser Schar abzusetzen und erfolgreich ins Berufsleben zu starten, bedarf es mehr als guter Noten und eines Praktikums in Nachbars Firma im Heimatort. Ausschlaggebend dafür, ob sich der Bewerbungsprozess nach dem Studium wie Kaugummi zieht oder ob unter den ersten drei Bewerbungen bereits das erste Jobangebot winkt, ist unter anderem der Studienschwerpunkt. Da es in den Wirtschaftswissenschaften unzählige Möglichkeiten gibt, die durch sogenannte Kombifächer wie Wirtschaftsinformatik, -mathematik, Sport- oder Tourismusökonomie und so weiter zusätzlich ergänzt werden, ist es für BWLer und die anderen Wirtschaftswissenschaftler besonders wichtig, sich relativ früh darüber im Klaren sein, wohin sie ihr Weg später führen soll. Denn eine Eigenschaft, die zumeist den Geisteswissenschaftlern zugeschrieben wird, ist auch unter den BWL-Studenten weit verbreitet: Strategielosigkeit. Ein BWL-Studium wird oftmals aus Vernunftgründen gewählt, ohne über eine etwaige Spezialisierung oder die spätere Wunschtätigkeit nachzudenken. Dies sieht Dieter Schädiger, Vizepräsident des Bundesverbands Deutscher Volks- und Betriebswirte (bdvb), sehr kritisch:

»Bevor sich Studenten für eine Spezialisierung entscheiden, sollten sie sich fragen, wer sie sind, was sie können und auch wollen. Erst wenn diese Fragen geklärt sind, sollte man sich festlegen.«

Ein kreativer Mensch ist im Marketing besser aufgehoben als beispielsweise in Finanz- und Rechnungswesenbereich. Wer sich später gerne im Marketing- oder auch Personalbereich sehen möchte, sollte sich aber bewusst sein, dass diese beiden Bereiche sehr gefragt sind und vor allem ersterer zum Teil viel technisches Know-how verlangt: Kenntnisse zu E-Commerce-, Social-Media- und Online-Themen sind hier Pflicht. Im Personalbereich kommen vermehrt Wirtschaftspsychologen und -pädagogen, aber auch Juristen zum Einsatz, was die Chancen für reine BWLer demzufolge weiter schmälert. Hier zählt das Leistungsprinzip. Der Beste gewinnt! Besser sieht es dagegen im Vertrieb aus. Hier sind Wirtschaftswissenschaftler gesucht. Da dieser Job mit Umsatzvorgaben verbunden ist, bevorzugen viele Absolventen andere Bereiche.

»Dabei bietet der Vertrieb bei Erfolg die besten Karriere- und Verdienstchancen«, erklärt Schädiger.


Vertrieb und Marketing bieten zusammen mit Controlling, Personal- sowie Finanz- und Rechnungswesen sehr gute Einstiegsmöglichkeiten

Sich hierauf im Studium zu spezialisieren ist nur von Vorteil. Schwieriger wird es mit der Konzentration auf sogenannte Nischenfächer wie Kulturökonomie, Eventmanagement oder International Business and Social Sciences. Branchentechnisch stehen Wirtschaftswissenschaftlern von Banken und Versicherungen, Automotive, Handel über Verkehr und Transport, Gesundheitswirtschaft hin zu Dienstleistung und Beratung viele Angebote zur Verfügung. Was ihnen dabei konkret offensteht, erklären die Unternehmen kurz selber:

Maren Peters, Leiterin des Personalmarketings bei Volkswagen: »Für junge Wirtschaftswissenschaftler mit einem Marketing-Schwerpunkt bieten zum Beispiel die Bereiche Internationalisierung, Marketingstrategien und Trendforschung zukunftsträchtige Aufgabenfelder. Im Vertrieb haben Nachwuchskräfte besonders gute Einstiegschancen in der Vertriebssteuerung für die BRIC-Märkte, also Brasilien, Russland, Indien und China.«

Elke Engelbach, Talent Supply Manager Product Supply Germany, Procter & Gamble Deutschland: »Wir stellen Absolventen der Wirtschaftswissenschaften unabhängig der Studienrichtung ein. Auch die Einsatzmöglichkeit erstreckt sich hier über die Bereiche Marketing, Finance & Accounting, Customer Business Development (Sales), Information Decision Solutions (IT), Purchasing, Customer Service & Logistics, Human Resources und Consumer & Market Knowledge.«

Alexander Schneider, Vice President Employer Branding & Nachwuchskräfte Deutsche Post DHL: »Deutsche Post DHL wird auch im Jahr 2014 weiter auf sehr hohem Niveau Wirtschaftswissenschaftler/-innen aller Fachrichtungen einstellen. Das gilt gleichermaßen für Master- wie für Bachelorabsolventen. Als internationaler Logistikkonzern liefern wir jeden Tag Höchstleistungen ab und deswegen steht für uns besonders die relevante praktische Erfahrung im Mittelpunkt. Ein Tipp: Hochqualitative Praktika, wie beispielsweise unser Praktikantenprogramm JOIN, stehen bei unserer Personalauswahl ganz klar im Mittelpunkt.«

Silja Ehrhardt, Spezialistin für Employer Branding bei Ikea Deutschland: »Wenn ein Bewerber für eine bestimmte Position schon ein fachliches Vorwissen mitbringt, ist das sicher von Vorteil. Grundsätzlich bevorzugen wir aber keine speziellen Studienschwerpunkte  –  daher haben wir auch viele Quereinsteiger im Unternehmen, die zum Beispiel als Mitarbeiter oder Teamleiter bei Ikea eingestiegen sind und sich dann im eigenen oder in einem anderen Fachbereich weiterentwickelt haben.«

Christina Kremer, Leiterin Employer Branding / Personalmarketing bei der Peek & Cloppenburg KG, Düsseldorf: »Bei der Peek & Cloppenburg KG Düsseldorf stellen wir Wirtschaftswissenschaftler primär für die Kernbereiche Verkauf und Einkauf, aber natürlich auch für die Zentralbereiche wie Controlling, Marketing, etc. ein. Das Unternehmen legt sehr viel Wert auf eine stetige Personalentwicklung – auch im nächsten Jahr planen wir Stellen in verschiedenen Zentralbereichen mit WiWis zu besetzen, wobei die Anzahl der Neueinstellungen im Vergleich zu den Vorjahren konstant bleiben wird. Der Einstiegin die Modebranche kann bei Peek & Cloppenburg über unser sogenanntes ›General Management Programm‹ oder einen Direkteinstieg erfolgen.«

Tobias Winterbauer, Recruiter, Datev eG: »Schwerpunkte in den Bereichen Personal und Marketing sind bei den Studierenden sehr gefragt, der zugehörige Stellenmarkt bietet aktuell im Vergleich nur wenige Einstiegsmöglichkeiten. Höhere Einstiegschancen bei Datev bestehen mit den Schwerpunkten Finance, Accounting, Controlling and Taxation (FACT) und Wirtschaftsinformatik.«

Dr. Folke Werner, Leiter Recruiting bei der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC: »PwC bietet Wirtschaftswissenschaftlern vielfältige Einstiegsmöglichkeiten. Für den Beruf des Wirtschaftsprüfers und Steuerberaters ist eine Spezialisierung in den Bereichen Rechnungswesen, Controlling und Finance sicherlich von Vorteil. Genauso entscheidend sind allerdings relevante Praktika und die Persönlichkeit des Bewerbers. Auch Bachelors sind bei uns herzlich willkommen. Ihnen bieten wir zum Beispiel mit unserem dualen Masterstudium ›Audit Xcellence‹ die Möglichkeit, sich praxisnah weiterzubilden und bestmöglich auf das Berufsexamen vorzubereiten. Jeder junge Wirtschaftswissenschaftler, der sich noch nicht sicher ist, in welchem Bereich er später arbeiten möchte, hat außerdem die Möglichkeit, sich auf unsere Trainee-Programme ›Taxation 360°‹ und ›Transactions 360°‹ zu bewerben, mit denen er innerhalb von 18 Monaten die große Bandbreite der Steuer- und Transaktionsberatung kennenlernt.«

Sven Alpert, Leiter Graduate Recruitment Deutschland bei der Deutschen Bank: »Hochschulabsolventen können bei uns über ein Trainee-/Einstiegsprogramm in den jeweiligen Geschäfts- und Infrastrukturbereichen einsteigen. Das Aufgabenspektrum variiert je nach Geschäfts- und Infrastrukturbereich und umfasst auch strategische und projektorientierte Aufgaben. Eine Spezialisierung kann für einige Einsatzbereiche von Vorteil sein, entscheidend ist jedoch das gesamte Profil. Wichtige Voraussetzung ist, dass die Bewerber Finanzaffinität haben.«

Vera Winter, Leiterin Personalmarketing Deutschland, Robert Bosch GmbH: »Grundsätzlich entfallen knapp 70 Prozent der Stellen bei Bosch auf technische Funktionsbereiche. Für die kaufmännischen Funktionen sind vor allen Studienabsolventen gefragt, die sich im Schwerpunkt für eine Aufgabe im Controlling, Logistik, Einkauf, Marketing, Vertrieb oder Personalwesen vorbereitet haben. Dort sehen wir auch für das Jahr 2014 einen gleichbleibend breiten Bedarf.«

Monica Wertheim, verantwortlich im Center of Competence für Global Employer Brand und Strategic Recruiting, E.on SE: »Generell lässt sich hier feststellen, dass keine speziellen Tendenzen erkennbar sind – wir benötigen Wirtschaftswissenschaftler für viele Bereiche. So suchen wir etwa Personal- und Controlling-Experten für unsere neu gegründete Gesellschaft E.on Business Services, in der wir das Personal- und Rechnungswesen für den gesamten Konzern bündeln. Dagegen ist E.on Vertrieb Deutschland GmbH, die sich mit Vertriebssteuerung, Energiebeschaffung, Produktmanagement und strategischem Marketing der operativen Geschäftseinheiten beschäftigt, ständig auf der Suche nach Marketing-Spezialisten.«

Michael Groß, Leiter Personalmarketing, Audi AG: »Audi hat China als zweiten Heimatmarkt etabliert und wird mit seinem wachsenden globalen Netzwerk von Standorten und Werken sowie drei italienischen Tochtermarken immer internationaler. Dadurch gewinnen Sprachkompetenz und internationale Flexibilität und Erfahrung an Bedeutung – und das natürlich auch im Controlling, Marketing oder Personalwesen. Grundsätzlich aber suchen wir aus den besten Bewerbern die Richtigen für uns. Dabei spielen neben fachlicher Qualifikation auch Sozialkompetenz, Leidenschaft für die Marke Audi und Authentizität eine wichtige Rolle.«

Ralf Hilscher, Leiter Personalmarketing & Programme, Allianz Deutschland AG: »Für Wirtschaftswissenschaftler bieten wir auch 2014 wieder spannende Jobperspektiven: Jahreshighlight wird der Start unseres neuen Einstiegsprogramms NEXT>> sein. Die Vorstände der Allianz Deutschland AG haben das Recruiting von herausragenden Absolventen zur Chefsache gemacht und werden beim NEXT-Event im Februar die New Executive Talents der Allianz auswählen. Die NEXT-Teilnehmer steigen als Leiter Vorstandsbüro oder Leiter Vorstandsprojekte ein. Die Vorstände begleiten sie von diesem Moment an als persönliche Mentoren auf dem Weg in Spitzenpositionen des Allianz-Managements. Daneben suchen wir natürlich auch nächstes Jahr wieder Trainees für unsere Traineeprogramme Versicherungsmanagement,  IT, Vertrieb, für das Vorstandsassistentenprogramm sowie Inhouse Consulting Programm. Übrigens: Wer zwischen Bachelor-Abschluss und Masterstudium eine Pause für Praxiserfahrungen einlegen will, kann sich noch bis 3.11. im Rahmen des ›Gap Years 2014‹ für eine Station bei der Allianz bewerben.«

Apropos ›mitbringen‹: Welche Fähigkeiten müssen Wirtschaftswissenschaftler haben, um für die jeweiligen Einstiegsmöglichkeiten gerüstet zu sein?

»Arbeitgeber stellen hohe Anforderungen«, sagt Judith Wüllerich, Arbeitsmarktexpertin von der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg, und führt weiter aus, dass das Profil des Bewerbers genau zum Stellenprofil passen sollte. »Da sich Arbeitgeber den Aufwand der Einarbeitung sparen und gleichzeitig nicht auf aktuelles theoretisches Wissen verzichten wollen, bevorzugen sie häufig Young Professionals, wenn sie nicht Traineestellen oder Spitzenpositionen besetzen möchten«, erläutert Wüllerich und erklärt, dass diese den Vorteil mitbringen, dass sie bereits einschlägige Berufs- und Branchenerfahrung gesammelt haben. Aber auch Absolventen, die vor ihrem Studium eine Bank- oder Steuerfachausbildung oder währenddessen Praktika gemacht haben, haben gute Chancen. Da der straffe Zeitplan während des Bachelorstudiums oftmals einen fehlenden Praxisbezug zur Folge hat, bevorzugen Personalverantwortliche Fachhochschulabsolventen, da diese Pflichtpraktika absolvieren. Wenn es irgendwie möglich ist, sollten Studenten so viele praktische Erfahrungen sammeln wie möglich. Je früher der Bezug zur Arbeitswelt hergestellt wird, desto besser. Oder frei nach Schädiger: »Vorwissen ist immer besser als erstaunt schauen.«

»Vor allem Fähigkeiten in den Bereichen Controlling, Marketing und Marktforschung, Verkauf und Vertrieb, Beratung, Logistik, Organisation und Personalwesen, Kostenrechnung und Kalkulation sowie Finanz- und Rechnungswesen sind gefragt«, sagt Wüllerich von der Bundesagentur für Arbeit.

Weiter erwarten Arbeitgeber, die Arbeitsplätze mit einem starken Bezug zum Beschaffungs- und Absatzmarkt wie Einkauf, Marketing oder Vertrieb zu besetzen haben, dass die Einsteiger einen guten Überblick über die jeweilige Branche und den jeweiligen Markt haben. Stehen technische oder naturwissenschaftliche Produkte im Fokus, wird ein Verständnis für die jeweiligen Zusammenhänge erwartet.

»Dass sich Akademiker mit dem Internet und gängiger Office-Software auskennen, wird als selbstverständlich vorausgesetzt«, betont die Arbeitsmarktexpertin.

Schädiger ergänzt, dass sich Kenntnisse in SAP oder in anderen Datenbanksystemen durchaus auszahlen. Naht der Bewerbungsprozess, sollten Absolventen nicht nach der Maxime ›Ich nehme alles, was der Markt bietet‹ verfahren. So zielgerichtet wie das Studium sollte auch der Einstieg ins Berufsleben erfolgen.

Einmal drin, schwankt auch das Spektrum der weiteren fachlichen Anforderungen. Judith Wüllerich erwähnt hier Revision, Arbeitsvorbereitung, Vertragsgestaltung, Statistik, Öffentlichkeitsarbeit, Projektmanagement, Aus- und Fortbildung, Bilanzanalyse, Büroorganisation, Immobilienverwaltung, Kundenservice, Präsentation, Qualitätsmanagement, Risikomanagement, Ex- und Import, -Finanzierung, Operations Research, REFA sowie Mahn- und Klagewesen. Der berühmt-berüchtigte Blick über den Tellerrand schadet also keineswegs:

»Volkswirtschaftslehre, Soziologie oder Psychologie sind hierfür Beispiele. Auch Kandidaten mit juristischem Sachverstand sind willkommen, im Speziellen gehören Arbeits-, Sozial-, Vertrags- Handels-, Steuer- oder Urheberrecht zu den gefragten Rechtsgebieten«, zählt Wüllerich auf.

Wer sich für Positionen interessiert, in denen Kommunikation mit dem Ausland stattfindet, muss über sehr gute Fremdsprachenkenntnisse verfügen. »Englisch ist die Weltsprache im Business«, sagt Schädiger. Weiter stehen Spanisch und Chinesisch hoch im Kurs, außerdem gibt es immer wieder Stellenangebote, in denen Arbeitgeber Mitarbeiter mit Kenntnissen in einer der osteuropäischen Sprachen suchen. Noch besser ist es, wenn die Sprachkenntnisse aus lernintensiven Auslandsaufenthalten stammen.



Von Vorteil erweist sich zudem ein junges Lebensalter:

»In der Regel suchen die Unternehmen junge Mitarbeiter mit erster Berufserfahrung«, erklärt die Arbeitsmarktexpertin.

Aber keine Regel ohne Ausnahme:

»Für gehobene Führungspositionen kommen Young Professionals seltener in Betracht, da für solche Stellen eine gewisse Lebens- und Berufserfahrung erwartet wird. Spezielle Berufseinsteigerpositionen wie Traineestellen kommen auch ohne Berufserfahrung aus.«

Das dreißigste Lebensjahr sollte der Bewerber hier aber nicht überschritten haben.

So viel steht fest: Geschenkt bekommen nur die wenigsten Wirtschaftswissenschaftler ihren ersten Job. Auch wenn sich der Arbeitsmarkt für Wirtschaftswissenschaftler in den nächsten Jahren zum Arbeitnehmermarkt entwickelt.

»Die Konjunkturdaten sehen gut aus«, sagt Schädiger vom bdvb.

Nichtsdestotrotz heißt dies nicht, dass Absolventen darauf warten können, dass sämtliche Personalverantwortliche mit Arbeitsvertrag unterm Arm und Kugelschreiber in der Hand auf ihrer Türschwelle stehen. »Die Firmen werden in ihrer Auswahl nicht nachlassen«, erklärt der Vizepräsident. Die Suche nach den ›Guten‹ geht weiter. Haben sie diese einmal gefunden, können sich die Einsteiger durchaus darauf einstellen, dass ihnen viel geboten wird.

Ein Blick auf die Jobampel, die der ›Stern‹ gemeinsam mit dem Bildungswissenschaftler Michael Weegen von der Universität Duisburg-Essen entwickelt hat, zeigt ein etwas anderes Bild: Wenn auch bis 2019 jährlich über 55.000 Studenten ihren Bachelor abschließen, zeigt die Ampel ein sattes Gelb und ein knalliges Rot an. Denn nur jeder fünfte der momentan tätigen Betriebswirte ist momentan über 50 Jahre alt – dementsprechend ist auch in den nächsten Jahren nicht mit einer Pensionierungswelle zu rechnen. Deshalb davon auszugehen, dass zwingend ein Masterabschluss her muss, um die Chancen zu erhöhen, ist falsch. Die Angst von Bachelorabsolventen, dass sie mit ihrem Abschluss keine adäquate Stelle finden, ist gemäß der Umfrage ›Mit dem Bachelor in den Beruf‹ des Stifterverbands für die deutsche Wissenschaft aus dem Jahr 2011 dennoch nicht wirklich begründet. In manchen Bereichen wie dem Vertrieb reicht beispielsweise ein Bachelor prinzipiell gut aus, wie Schädiger vom bdvb erklärt. Schließlich sei der Bachelor willkommen und auch anerkannt. Viele Unternehmen bieten ihren Mitarbeitern an, dass sie berufsbegleitend den Master absolvieren können. Wer sich in der Wissenschaft und Forschung, im höheren öffentlichen Dienst oder im Lehramt sieht, kommt um einen Masterabschluss allerdings nicht vorbei. Inwieweit Arbeitgeber Bachelor- oder Masterabsolventen einstellen, hängt zudem oft von der jeweiligen Unternehmensgröße ab. Großkonzerne verlangen im Gegensatz zu mittelständischen Unternehmen häufiger einen Masterabschluss. Hinsichtlich Karrierechancen mögen Bachelorabsolventen anfangs etwas im Nachteil erscheinen, wenn sie damit beginnen, Sachbearbeiteraufgaben zu übernehmen, bevor sie eigenständige Projekte bearbeiten dürfen – die Aufstiegschancen sind aber auch im Vergleich mit Masterabsolventen gut.

Je höher der Aufstieg, desto größer das Gehalt

Wobei auch dieses von der jeweiligen Branche abhängt. Laut Personalmarkt.de verdient ein Viertel der Einsteiger mit zweijähriger Berufserfahrung im Telekommunikationsbereich beispielsweise mehr als 49.785 Euro brutto jährlich. Eine Tätigkeit in einer Bank zahlt sich zumindest auf dem Lohnzettel noch mehr aus: 25 Prozent können sich über ein Jahresbruttogehalt von 58.412 Euro freuen. Diese Zahlen steigen mit der Berufserfahrung. Wer sich für eine soziale Einrichtung entscheidet, muss aber damit rechnen, weniger zu verdienen. Hier sind für ein Viertel der Einsteiger teilweise weniger als 32.825 Euro drin.

Es mag vielleicht etwas dauern, bis das erste Mal der Blick auf den Lohnzettel fällt – aber der Zeitpunkt wird irgendwann einmal kommen. Gut Ding will schließlich Weile haben. Allzu lange muss der Großteil sowieso nicht warten: Laut bdvb haben mehr als 70 Prozent aller Wirtschaftswissenschaftler nach einem Jahr einen Job. Alles in allem gibt es genügend gute Gründe, sich auf das neue Jahr zu freuen. Zeit, sich zu überlegen, was Silvester zu bieten hat.


Anzeige

Anzeige