Business Development
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Arbeiten im Business Development

Entwicklung entwickeln: Im Business Development werden strategische Entscheidungen getroffen, Marktsegmente analysiert und die zukünftige Konzernstrategie geplant

Ein Telefon auf dem Markt zu werfen, das keine Tastatur besitzt und stattdessen über Wisch-Gesten auf dem gesamten Display bedient werden kann? Im Jahr 2007 war das eine gewagte Aktion. Konkurrenten wie Nokia oder LG stopften damals ihre Multimedia-Boliden mit allerhand Sonder-Tasten voll, Blackberry überzeugte gar mit einer vollwertigen QUERTY-Tastatur. Steve Jobs war das egal: Der damalige Apple-Chef hatte eine Vision, und die Strategie seines Konzerns folgte dem Visionär.

Der Erfolg gibt Jobs im Nachhinein recht – und doch ist das Modell des führenden Masterminds an der Konzernspitze heutzutage eher eine Seltenheit.

»Manager, die betriebswirtschaftlich ausgebildet sind, betreiben heute meist die Änderung der Unternehmensstrukturen«, sagt Ralf Neise, Projektleiter am IUU Institut für Unternehmer- und Unternehmensentwicklung an der Uni Witten/Herdecke.

Die Strategie soll der Struktur folgen. Oft werden auch innovative Firmen zugekauft, so Neise. »Das Strategie-Problem des Unternehmens lösen solche Entscheidungen meist nicht«, sagt der Experte. »Dieses Problem verlagert sich deshalb in großen Unternehmen auf eine Ebene unterhalb der Führung, und häufig werden dafür eigene Stabs-Abteilungen geschaffen.«

Hier kommen eigens geschaffene Stabsstellen ins Spiel. Solche langfristigen strategischen Entscheidungen werden in Abteilungen getroffen wie dem Business Development bei Vattenfall, Unterabteilung Windkraft. Hier arbeitet Klemens Millonig.

»Wir versuchen stets, neue Möglichkeiten zu finden, mit denen wir die Effizienz der Stromerzeugung erhöhen und neue Geschäftsmöglichkeiten in diesem Bereich entwickeln können«, erklärt der Wirtschaftswissenschaftler.

Oft gilt es nur, die richtigen ketzerischen Fragen zu stellen. Beispielsweise: Warum werden Solaranlagen eigentlich immer komplett neu gebaut? »Wir kamen auf die Idee, Solaranlagen in bestehende Infrastrukturen unserer Windparks zu integrieren«, erzählt Millonig. Nun entwickelt ein Business Development-Team ein Pilotprojekt, welches Solar- und Windanlagen auf Vattenfall-Windsites integriert – eine einfache Lösung für ein komplexes Problem.
 

Business Development ein wichtiger Baustein der Unternehmenspolitik

Wie eine Business Development-Abteilung aufgestellt ist, spiegelt auch immer die Unternehmenspolitik eines Konzerns wieder. Bei der Deutschen Bahn gibt es in der Entwicklungsabteilung einen eigenen Bereich »Nachhaltigkeitsmanagement«. »Das zeigt, dass die Bahn Nachhaltigkeit als festen Kern der Konzernstrategie betrachtet«, sagt Dave Geigle. Der 28 Jahre alte Wirtschaftswissenschaftler hat zunächst ein Duales Studium »Dienstleistungsmanagement« bei der DB absolviert. »Für mich der richtige Weg, um Theorie und Praxis zu verbinden.« Anschließend wollte er sich weiter spezialisieren und absolvierte parallel zum Job einen Master »International Business & Consulting«. Zu seinen täglichen Aufgaben gehört es, Fragen der Nachhaltigkeit in allen Bereichen der Deutschen Bahn zu verankern und zu beantworten.

»Die Idee einer ‚grünen Eisenbahn’ zieht sich bei der DB durch alle Unternehmensbereiche«, berichtet Geigle.

Zum Beispiel wird der Strom zum Betrieb der Züge mehr und mehr aus erneuerbaren Energien bezogen, Reisende mit einer BahnCard fahren bereits heute zu 100 Prozent mit Ökostrom.

»Nachhaltigkeit kann nur funktionieren, wenn es als Querschnittsthema behandelt wird«, so Geigle.

Der Wirtschaftswissenschaftler und seine Kollegen stehen dazu beispielsweise in regem Austausch mit Konzerneinkauf, Compliance und dem Umweltbereich. Dort werden gemeinsam die nächsten Schritte und Programme definiert.
 

Business Development steht für Innovation

Zahlreiche Meetings sind auch Bestandteil des Jobs von Klemens Millonig.

»Strategieplanung kann nur funktionieren, wenn andere Abteilungen mit an Bord geholt werden«, sagt der Vattenfall-Mitarbeiter.

Immer wieder wirbt der 45-jährige bei Kollegen anderer Abteilungen für neue Ideen. »Wenn wir so eine Idee mit den Solaranlagen auf Windsites entwickeln, dann versuchen wir sehr schnell Expertise aus anderen Abteilungen einzuholen«, so Millonig.

»Auf diese Weise verhindern wir, dass wir auf dem Papier großartige Visionen skizzieren, die sich womöglich in der Realität gar nicht bauen lassen.«

Schritt für Schritt muss jede Vision sogenannte ›Tollgates‹ passieren, Meetings oder Feedbackschleifen, in denen weitere Machbarkeitsprüfungen erfolgen. Den ersten Prototypen einer Business Idee setzt die Business Development-Abteilung in der Vattenfall BA Wind noch selbst um. Bewährt sich das Konzept, verlässt es das Business Development und wird langfristig in die operativen Einheiten der Windsparte integriert.

Solche Business Development-Abteilungen sind meist interdisziplinär besetzt, so Unternehmensentwicklungs-Experte Ralf Neise.

»Bei technikgetriebenen Unternehmen bietet es sich an, Ingenieure oder Wirtschaftsingenieure einzubeziehen.«

Wirtschaftswissenschaftler wie Dave Geigle oder Klemens Millonig seien in diesem Bereich besonders gefragt.

»Es geht aber nicht darum, wie im Studium abstrakte Businesspläne zu erstellen. Für Wirtschaftswissenschaftler ist es sinnvoll, die im Studium gelernten Techniken und die Übernahme von persönlicher Verantwortung praktisch auszuprobieren. Wer hier persönliche Erfahrungen gemacht hat, hat einen klaren Startvorteil.« 


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