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Wie sich die Arbeitswelt von Wirtschaftswissenschaftlern verändert

Der Experte David Baum klärt darüber auf, wie sich die Arbeitswelt von Wirtschaftswissenschaftlern verändert

David Baum ist Junior Innovation Advisor beim Trendforschungsunternehmen Trendone und dabei vor allem für das Eventmanagement und die  Identifikation von neuen Trendströmungen zuständig. Er selbst studierte BWL an der CAU Kiel.

Herr Baum, wie verändern digitale Prozesse die Arbeitswelt von Wirtschaftswissenschaftlern?

Diese Frage ist schwer zu beantworten, da Wirtschaftswissenschaftler sehr vielfältige berufliche Perspektiven haben. Grundsätzlich beschleunigen digitale Prozesse unsere Wirtschaftskreisläufe, weil die Kommunikation zwischen Personen an vielen Stellen automatisiert und dezentralisiert wird. Für die Forschung in den Wirtschaftswissenschaften bedeutet Digitalisierung vor allem einen größeren Quellenschatz, weil Studien aus aller Welt im Internet kursieren.

Bitte zeigen Sie den Wandel an einem konkreten Beispiel auf.

Betrachten Sie den Wertpapierhandel. Früher übernahmen Broker, wie in ›Wolf of Wall Street‹, die Abwicklung. Heute ist das Trading computergesteuert und der Mensch beteiligt sich nur noch mit seinem Kontostand. Trotz superschneller Datenübertragung zählt dabei dennoch mehr denn je die geografische Nähe zu Behörden, die wirtschaftsrelevante Zahlen veröffentlichen, weil es bei Investitionsentscheidungen auf jeden Sekundenbruchteil ankommt.

Welche neuen Skills sollten sich angehende Wirtschaftswissenschaftler schon während ihres Studiums aneignen?

Digitale Bildung hat, denke ich, zwei Facetten. Zum einen sollten Studierende verstehen, wie digitale Technologien ganz konkret funktionieren, um besser einzuschätzen, wofür sie sich eignen und wo sie ihre Grenzen haben. Auf der anderen Seite sind soziale und kommunikative Kompetenzen extrem wichtig, um Bedenken der Menschen im Zusammenhang mit Digitalisierung ernst zu nehmen und sie nicht abzuhängen, sondern mitzunehmen.

Wie können Universitäten und Hochschulen dazu beitragen, die Studierenden besser auf die digitale Transformation vorzubereiten?

So rasant wie sich unsere Welt zurzeit entwickelt, sollten auch Universitäten und Hochschulen ihr Bildungsprogramm immer wieder überarbeiten. Ein Vorschlag wäre, stärker mit sozialen und technologischen Trends zu arbeiten, um den Studierenden einen besseren Einblick in unsere gesellschaftliche Entwicklung zu geben. Ein anderer Vorschlag wäre, das Bildungsangebot praxisnäher zu gestalten, denn Probieren geht nach wie vor über Studieren.

Wie weit sind deutsche Unternehmen mit der digitalen Transformation im Vergleich zu anderen Ländern?

Der Grad der digitalen Transformation lässt sich nur schwer messen. In Deutschland und in ganz Europa bremsen die Bedenken von Politik und Gesellschaft die Entwicklung im Vergleich zum Rest der Welt relativ stark. Technologisch haben uns zum Beispiel China und Indien deswegen schon in vielen Bereichen überholt.

Welche Chancen ergeben sich durch die Digitalisierung von Arbeitsprozessen?

Auf Digitalisierung folgt Automatisierung. Mit ihr können wir langweilige Aufgaben an Maschinen delegieren und uns stattdessen Tätigkeiten widmen, die uns als Menschen erfüllen und weiterbringen. Unsere technologische Abhängigkeit wird dadurch massiv, aber sie verschafft uns die Zeit und die Kraft, große gesellschaftliche Probleme zu lösen und unsere ganz persönlichen Fähigkeiten wie Empathie oder Kreativität stärker zu entfalten.


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