Cloud Computing: Jobmotor oder nichts als heiße Luft?

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Cloud Computing

Was kann die Wolke wirklich leisten?

Der Hype um Cloud Computing soll Hunderttausende neuer Arbeitsplätze schaffen. Wirtschaftsexperten prophezeien jährliche Wachstumsraten von bis zu 50 Prozent. ITler, die sich mit Java auskennen, schweben auf Wolke sieben in den Karrierehimmel. Das Trend-Thema Cloud Computing ist derzeit in aller Munde. 

Auf der letzten Cebit-Messe war ›Cloud Computing‹ das Schwerpunktthema

Dabei ist es kein ganz neues Phänomen – schon lange nutzen viele Privatverbraucher entsprechende Dienste. E-Mails zum Beispiel, die über Anbieter wie GMX oder Web.de versendet werden, werden nicht auf dem Server des Mailanbieters abgespeichert, sondern in der Cloud. Viele Internetnutzer legen außerdem Fotos und Musik im Netz ab oder pflegen ihr Adressbuch online. 

Für Fabio Plachetta ist ›die Wolke‹ Arbeitsalltag:

»Ich programmiere in einem Team von circa 15 Personen die Cloud-Lösung CAS PIA«, erzählt der 30-Jährige, der bei der CAS Software AG in Karlsruhe als Software-Engineer arbeitet.

CAS PIA ist der Name eines Computerprogramms für kleine und mittelständische Unternehmen, über das Kundendaten gepflegt werden können und das komplett im Internet-Browser läuft und monatlich ›gemietet‹ werden kann.

»Unsere Kunden müssen sich also keine Gedanken um Installation, Wartung, Sicherheit oder den Betrieb von teuren Servern machen, da wir das alles übernehmen«, berichtet Fabio Plachetta.

Kontaktdaten, der komplette Schriftverkehr inklusive E-Mails, sämtliche Telefonate – all dies lässt sich mit der neuen Software überall dort einsehen, wo es Internet gibt. IT-Spezialisten, die wie Fabio im ›Cloud Computing‹ beschäftigt sind, werden in den kommenden Jahren wohl zur begehrtesten Ware auf dem Nachwachsmarkt aufsteigen. Denn Branchenverbände und Wirtschaftsexperten prognostizieren für diesen Sektor gigantische Wachstumszahlen:

»Die Nutzung von Cloud Computing entwickelt sich innerhalb weniger Jahre zu einem Milliarden-Markt mit einer hohen standortpolitischen Bedeutung für die gesamte deutsche Wirtschaft«, erklärt der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien Bitkom.

Das Umsatzwachstum soll bis 2015 bei durchschnittlich 48 Prozent liegen, etwa zehn Prozent der gesamten IT-Ausgaben in Deutschland sollen in vier Jahren auf diese Technologie entfallen.

»Zahlreiche Web 2.0-Anwendungen sind Cloud-basiert, zum Beispiel der Shop von Amazon oder soziale Netzwerke wie Facebook «, sagt Steffen Müller, Cloud Service Manager bei dem IT- und Beratungsdienstleister Logica, der Teil des kanadischen Unternehmens CGI ist.

Auch Speicherdienste wie Dropbox werden von immer mehr Menschen dazu genutzt, Dateien im Internet zu speichern und sie mit anderen zu teilen.

Während Verbraucher Cloud-Dienste bereits sehr häufig nutzen, ziehen nun auch deutsche Unternehmen nach

Gut ein Viertel aller Firmen nutzt hierzulande Cloud Computing, Vorreiter sind unter anderem die Finanzdienstleister. Vor allem in großen Konzernen kommen Cloud-Dienste häufig zum Einsatz. Aber auch in kleinen und mittelständischen Unternehmen ist Cloud Computing mittlerweile angekommen und immer mehr Unternehmen werden in Zukunft auf die Software aus der Steckdose setzen, prophezeien Branchenverbände. Um die steigende Nachfrage bedienen zu können, werden zukünftig Informatiker, die sich im Cloud Computing auskennen, sehr gefragt sein. Schon heute ist es schwierig, den Bedarf an Experten zu decken.

»Wir sind immer auf der Suche nach Informatikern mit Erfahrungen im Cloud Computing, auch Quereinsteiger haben gute Chancen«, sagt Müller von Logica.

Die Kunden, für die Logica Cloud-Lösungen konzipiert und entwickelt, stammen aus den unterschiedlichsten Bereichen. Die Industrie, die Finanzbranche, Energieversorger, Regierungsorganisationen – sie alle setzen auf die ›Wolke‹. Im Wesentlichen wird zwischen zwei Arten von Clouds unterschieden, der Private und der Public Cloud – eine Kombination aus beiden wird als Hybrid Cloud bezeichnet. Private Clouds werden vom Unternehmen selbst oder einem externen Dienstleister betrieben, die Daten befinden sich dabei auf den eigenen Servern. 27 Prozent der deutschen Unternehmen nutzen laut dem ›Bitkom-Cloud Monitor 2012‹ diese Form des Cloud Computings. Wesentlich seltener werden bis dato Public Clouds genutzt, bei denen ITK-Leistungen von einem externen Dienstleister über das öffentliche Internet bezogen werden. Der Grund dafür liegt laut Bitkom in der Angst der User vor Datenverlust.

Cloud Computing ist ein Jobmotor, da sind sich Experten sicher

»Studien prognostizieren, dass die Cloud ein enormes wirtschaftliches Potenzial hat und in den nächsten Jahren zahlreiche zusätzliche Stellen entstehen werden«, sagt Georg Bachmaier, Leiter Recruiting bei Microsoft Deutschland.

»Microsoft positioniert sich seit Jahren als Cloud-Anbieter und investiert in hohem Maße in Forschung und Arbeitsplätze in diesem Bereich. Von den circa 2.700 Mitarbeitern beschäftigt sich die Mehrheit mit der Entwicklung und der Umsetzung von Cloud-Services für unsere Kunden. « Derzeit sind im technischen Bereich bei Microsoft rund 70 offene Stellen zu besetzen – Tendenz steigend. Insgesamt sollen in Deutschland bis 2015 gut 250.000 neue Arbeitsplätze im Bereich Cloud Computing geschaffen werden, so das Ergebnis einer Studie, die Microsoft beim Analystenhaus IDC in Auftrag gegeben hat. In Europa liegt die Bundesrepublik damit ganz vorne, sie führt das Ranking bei den neu geschaffenen Stellen an. Bei den Berufsbildern, die im Bereich Cloud Computing gefragt sind, handelt es sich um die gängigen IT-Jobs: Es werden Anwendungsentwickler, Systemarchitekten, Analysten und Projektmanager gesucht.

»Sie arbeiten lediglich mit anderen Paradigmen. Langfristig wird zum Beispiel die Administration zu einer Art Cloud Management werden«, erklärt Müller.

Gehörte es früher zu den Aufgaben eines Administrators, ein Betriebssystem auf einen Rechner aufzuspielen, kann er zukünftig die benötigten Ressourcen aus der Cloud anfordern. Arbeiten Unternehmen intern mit einer Private Cloud, werden hauptsächlich Programmierer gebraucht. Wer sich bei einem Anbieter von externen Clouds bewerben möchte, hat hier auch die Möglichkeit, als Junior Consultant oder Produktmanager einzusteigen. Auch im Key Account Management gibt es offene Stellen, diese werden jedoch seltener mit Berufseinsteigern besetzt. Ingo Wagner hatte nach seinem Informatik-Bachelor an der Fachhochschule Frankfurt am Main keine Schwierigkeiten, einen Job zu finden. Seit Anfang des Jahres ist er für die Firma QualityHosting AG als IT-Systemingenieur im Cloud Computing tätig. Das Unternehmen mit Sitz in Gelnhausen stellt Hosting- und Server-Lösungen für Geschäftskunden bereit und ist auf Microsoft-Produkte spezialisiert.

»Ich habe mich schon in meiner Bachelor-Thesis mit dem Thema Cloud Computing beschäftigt und konnte im Vorstellungsgespräch zeigen, dass ich mich mit den Begrifflichkeiten gut auskenne«, erzählt der 26-Jährige.

Was ihm an seiner Arbeit am meisten Spaß macht?

»Ich bin ganz nah am technologischen Fortschritt dran und habe die Möglichkeit, mit der neuesten Technik zu arbeiten.« Das bedeutet jedoch auch, dass man sich ständig auf dem Laufenden halten muss. »Wer in der IT-Branche arbeitet, muss lernwillig sein. Es muss einem klar sein, dass das, was man im Studium gelernt hat, auf keinen Fall für den Rest des Berufslebens reicht.«

Wie steht es um Arbeitsplätze im Bereich Cloud Computing?

Was die aktuelle Entwicklung für den Stellenmarkt bedeutet, ist eine einfache Rechnung: Der Bedarf an ohnehin schon knappen ITSpezialisten wird mit ›Cloud Computing‹ die Daumenschrauben der Personaler noch ein gehöriges Stück weiter anziehen.

»In den kommenden Jahren wird es ein kontinuierliches Wachstum des Bedarfs an Software-Ingenieuren geben, die im ›Cloud Computuing‹ Programmier-Tätigkeiten und Informationsmanagement übernehmen können«, sagt Steffen Staab, Professor für Databases & Information Systems an de Universität Koblenz-Landau.

»Die heutigen Anfängerzahlen der entsprechenden Studiengänge werden bei weitem nicht ausreichen, den künftigen Bedarf an ›Cloud Computing‹-Fachkräften zu ersetzen.« Markus Vehlow, Senior Manager und Branchenexperte für ›Cloud Computing‹ bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC, teilt diese Einschätzung: »Die Nachfrage nach Absolventen mit Cloud-Expertise auf dem Arbeitsmarkt wird rasch in die Höhe schnellen. Auch unser Haus sucht nach entsprechend geeigneten Absolventen«, sagt Vehlow. Studien hätten gezeigt, dass ›Cloud Computing‹ sowohl für den Mittelstand als auch für Großunternehmen von Bedeutung ist. Dadurch werde ITlern ein weites Einsatzfeld geschaffen, in dem sie ihr gelerntes Fachwissen anwenden können.

»Cloud Computing bietet für IT-Fachkräfte hervorragende Karrierechancen«, fasst der PwC-Experte zusammen.

Martin Vesterling schätzt, dass es derzeit in Deutschland rund 500 offene Stellen gibt, in deren Ausschreibungen explizit Erfahrungen im Cloud Computing erwünscht sind. Gesucht werden vor allem Consultants, Business Development Manager und Account Manager, aber auch Softwareentwickler und Systemadministratoren. Dabei handelt es sich jedoch meist um die Stellenausschreibungen von Cloud-Anbietern. Daneben gibt es zahlreiche offene Positionen in Unternehmen, die eigene Clouds betreiben, nur wird hier das Stichwort Cloud Computing im Anforderungsprofil nicht zwingend genannt. Da im Cloud Computing die klassischen IT-Berufe gefragt sind, können Einsteiger mit branchenüblichen Gehältern rechnen, die sich nach Faktoren wie Branche, Größe und Standort des Unternehmens sowie dem Abschluss des Bewerbers richten.

Welsche Kenntnisse sind wichtig, um im Bereich Cloud Computing beruflich durchzustarten?

Als Entwickler sollte man natürlich programmieren können, vor allem in modernen Sprachen wie zum Beispiel Java, JavaScript oder C#, ohne die es laut Experten im ›Cloud Computing‹ gar nicht geht.

»Absolventen, die frisch von der Hochschule kommen, haben den Vorteil, dass sie auf dem neuesten Stand der Technik sind und durch das Studium die nötige Flexibilität mitbringen, um sich schnell in neue Technologien einzuarbeiten«, sagt Martin Vesterling, Geschäftsführer der Vesterling Personalberatung in München, die auf die Vermittlung von IT-Fachkräften spezialisiert ist.

In vielen Informatik- Studiengängen wird Cloud Computing behandelt. Manche Hochschulen bieten auch eigenständige Studiengänge zu dem Thema an, wie zum Beispiel die Technische Universität Chemnitz mit ihrem Masterstudiengang ›High Performance & Cloud Computing‹. Wer nach der Uni im Cloud Computing arbeiten will, sollte schon vorab praktische Erfahrungen in diesem Bereich gesammelt haben. Müller empfiehlt deshalb eine Werkstudententätigkeit oder Praktika. »Auch eine Abschlussarbeit zu diesem Thema, die man für ein Unternehmen schreibt, eignet sich hervorragend, um sich Wissen im Cloud Computing anzueignen.« Sehr gute Chancen sieht Müller unter anderem für Wirtschaftsinformatiker: »Cloud-Lösungen sollen einen Mehrwert für ihre Anwender bieten. Sie sollen unter anderem helfen, Zeit und Kosten einzusparen, die Wirtschaftlichkeit spielt eine wichtige Rolle. Darum ist es hilfreich, wenn der Bewerber auch wirtschaftliches Know-how mitbringt.« Neben dem Fachwissen sind Soft Skills gefragt. »Gerade in der Beratung sind soziale Kompetenzen wie Kommunikationsfähigkeit sehr wichtig.«

»Idealerweise sammelt man vorher schon selbst ein paar Erfahrungen durch eigene Projekte mit anderen Studierenden«, sagt CAS-Personaler Kleinhans.

»Eine gute Idee ist auch immer, vorab ein Praxissemester im Unternehmen zu absolvieren oder eine Abschlussarbeit zu schreiben, deren Thema bereits im Interessensgebiet liegt.« Dabei wird insbesondere im Bereich ›Cloud Computing‹ eine hohe Kundenorientierung der Nachwuchs- Programmierer verlangt. So war Fabio, nachdem er sein Wirtschaftsinformatik-Studium an der Hochschule Karlsruhe beendet hatte und 2007 bei der CAS Software AG eingestiegen war, bereits im frühen Stadium an der Entwicklung der Cloud-Lösung CAS PIA beteiligt. »Ich habe bestimmte Bereiche der Software, zum Beispiel einen Serien-E-Mail-Versand, mit dem Produktmanagement diskutiert, dann entworfen und anschließend programmiert «, erzählt der Software Engineer. »Das, was die größte Schwierigkeit ist, macht auch gleichzeitig den größten Spaß: Sich in den Anwender der Software hineinzuversetzen, wenn man etwas Neues entwirft.« Gemeinsam mit den Kunden von CAS PIA testet Fabio die Bedienbarkeit und prüft, was sich zusätzlich verbessern lässt. »Es macht einfach Spaß, über den Tellerrand zu schauen und sich mit den Sichtweisen und Anforderungen anderer zu beschäftigen.«

Was verdient man als Berufseinsteiger im Bereich Cloud Computing?

»Ein Junior Softwareentwickler steigt auch im Cloud Computing durchschnittlich mit einem Bruttojahresgehalt von 40.000 bis 45.000 Euro ein. Nach vier bis fünf Jahren Berufserfahrung sind bis zu 60.000 Euro möglich«, sagt Vesterling.

Allerdings bringt Cloud Computing nicht nur Chancen und neue Jobs mit sich:

Risiken und IT-Gefahren der Cloud

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