Das Praktikumszeugnis: Formulierung, Fallen & Fauxpas

»Sie bemühte sich sehr!«: Was Formulierungen im Praktikumszeugnis wirklich bedeuten und wie du die Phrasen deutest.

Ein Praktikumszeugnis steht jedem zu!

Egal, wie lange das Praktikum gedauert hat, du hast ein Anrecht auf ein Praktikumszeugnis.

Darauf achten, dass es nicht allzu kurz ausfällt, mehr als zwei, drei Sätze sollten’s schon sein, aber nicht mehr als zwei DIN A4-Seiten!

Und: Ein einwöchiges Praktikum mit einem zweiseitigen Praktikumszeugnis zu belegen, kommt auch ein bisschen lächerlich.

Daher: Auf die Relation kommt’s an. Bemühe dich auf jeden Fall gegen Ende deines Praktikums, möglichst schnell ein Praktikumszeugnis zu bekommen. Denn, wenn du noch als Praktikant im Unternehmen tätig bist, kannst du deinen Praktikumsbetreuer persönlich fragen und musst nicht nach dem Praktikum extra anrufen und deinem Praktikumszeugnis hinterherlaufen.

Sollte es bei deinem Arbeitgeber trotzdem länger dauern und dein letzter Tag im Unternehmen schon vorbei sein, dann nutze die 'Jagd' nach dem Praktikumszeugnis und besuche deine alte Abteilung! Die Pflege deines beruflichen Netzwerkes kann bei deinen zukünftigen Bewerbungen ein großer Wettbewerbsvorteil sein. Kontakte sind dabei oft das A und O.

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Einfaches oder qualifiziertes Praktikumszeugnis

Je nachdem, wie lange dein Praktikum gedauert hat, stellt dir dein Arbeitgeber ein einfaches Praktikumszeugnis oder ein qualifiziertes Praktikumszeugnis aus. Wenn du dich entscheiden kannst, solltest du dich stets für das qualifizierte Zeugnis entscheiden.

Unterschiede

  • Einfaches Praktikumszeugnis: Im einfachen Praktikumszeugnis wird dein Praktikum vom Arbeitgeber bestätigt, ohne jedoch deine Leistungen oder Aufgaben zu bestätigen. 
  • Qualifiziertes Arbeitszeugnis: Auch hier wird dein Praktikum vom Unternehmen bestätigt, jedoch wird darüber hinaus detailliert beschrieben, welche Aufgaben du übernommen hast, welche Leistungen zu gezeigt hast und deine Leistungen bewertet (siehe #Bestandteile eines Praktikumszeugnisses)

Solltest du nur ein einfaches Zeugnis bekommen, lohnt sich die Nachfrage bei deinem Arbeitgeber, ob er dir zusätzlich ein qualifiertes Zeugnis ausstellen kann. Die wenigsten Unternehmen werden dir diesen Wunsch abschlagen, vor allem nicht, wenn du während des Praktikums mit guten Leistungen aufgefallen bist.

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Bestandteile von einem Praktikumszeugnis

Folgende Elemente sollte ein Praktikumszeugnis enthalten:

  • Einleitung (Beginn und Ende des Praktikums mit Datum)
  • Beschreibung der Tätigkeit (Was war die dir übertragenen Aufgaben während des Praktikums? Hast du beispielsweise ein Projekt eigenständig betreut?)
  • Leistungen während des Praktikums
  • Lern- und Arbeitsbereitschaft
  • Lern- und Arbeitsbefähigung
  • Fachwissen
  • Lern- und Arbeitsweise
  • Lern- und Arbeitserfolg
  • herausragende Erfolge
  • zusammenfassendes Leistungsurteil zu deinem Praktikum
  • Verhalten zu Internen (Kollegen, Chefs, ...)
  • Verhalten zu Externen (Kunden, Geschäftspartner, ...)
  • Sonstiges Verhalten während des Praktikums
  • Ende (Beendigungsformel, Dankesformel)

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Formulierungen im Praktikumszeugnis

Ähnlich wie bei einem Arbeitszeugnis, kommt es auch beim Praktikumszeugnis auf die genauen Formulierungen an. Ein 'st' macht dabei zumeist den Unterschied zwischen guten Leistungen und schlechten Leistungen von Praktikanten: Denn die Formulierungen im Praktikumszeugnis entsprechen immer unseren altherkömmlichen Schulnoten von 1 bis 6.

Dabei macht beispielsweise schon ein kleines »st« den Unterschied zwischen einer 1 und einer 2.

Ein Beispiel:
Note 1: »Er führte alle Aufgaben stets zu unserer vollsten Zufriedenheit aus.«
Note 2: »Er führte alle Aufgaben stets zu unserer vollen Zufriedenheit aus.«
Note 3: »Er führte alle Aufgaben zu unserer vollen Zufriedenheit aus.«
Note 4: »Er führte alle Aufgaben zu unserer Zufriedenheit aus.«

Auch das Weglassen des kleinen Wörtchens 'stets' sagt viel über deine Leistungen während des Praktikums im Unternehmen aus. Möchte dir der Arbeitgeber seine vollste Zufriedenheit aussprechen, verwendet er 'stets' und die Steigerungsform mit 'st', also zum Beispiel: "stets vollste Zufriedenheit".

Ist dein Arbeitgeber während des Praktikums kein großer Konzern mit eigener Personalabteilung und hast du das Gefühl, dass dein Betreuer sich nicht so gut mit den Formulierungen eines Praktikumszeugnisses auskennt, dann solltest du ihn darauf hinweisen, dass es spezielle Floskeln und Codes in Arbeitszeugnissen gibt!

Fallen beim Praktikumszeugnis: 'Beredtes Schweigen'

Einfach weggeschwiegen wird eine zu erwartende Aussage bei der Leerstellentechnik (»Das Verhalten gegenüber Vorgesetzten war einwandfrei« –> Die Kollegen werden nicht erwähnt, zu denen warst du wohl weniger nett). Es gibt auch andere Formulierungsarten bei Arbeitszeugnissen, die sich schön lesen, aber etwas weniger Schönes bedeuten und mit denen du bei deiner nächsten Bewerbung bei einem neuen Kollegen eher weniger Punkten kannst. Dazu zählen die Negationstechnik (»die Einsatzbereitschaft gab keinen Anlass zu Beanstandungen« –> ist nicht gerade hervorzuheben), die Passivierungstechnik (»Ihr übertragene Aufgaben führte sie zielstrebig aus« –> die Eigeninitiative ließ zu wünschen übrig) und die Ausweichtechnik (Betonung von eher unwichtigen oder selbstverständlichen Punkten).

Praktikumszeugnis: Geheimcodes der Personaler

Zum Abschluss seien noch die Sätze erwähnt, die wunderbar klingen, dich aber in der Zeugnis-Übersetzung so richtig schlecht dastehen lassen. Diese so genannten ‘Geheimcodes’ sind zwar teilweise sogar gesetzlich verboten, werden aber doch immer wieder benutzt.

Ein paar Beispiele für Geheimcodes:

»Für die Belange der Belegschaft bewies er immer Einfühlungsvermögen.«
Er suchte sexuelle Kontakte im Kollegenkreis.

»Ihre umfangreiche Bildung machte sie zu einer gesuchten Gesprächspartnerin.«
Sie führte lange Privatgespräche.

»Wir lernten ihn als umgänglichen Kollegen kennen.«
Er war unbeliebt.

»Sie zeigte reges Interesse an ihrer Arbeit.«
Sie hatte keinen Erfolg.

Wenn du das Praktikumszeugnis im Rahmen deines Studiums vorlegen musst, informiere dich an der Hochschule, ob eine spezielle Form eingehalten werden muss oder ob es vielleicht sogar Formulare für das Praktikumszeugnis gibt, an die du dich halten musst.

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Praktikumszeugnis: Scannen, kopieren, sichern

Wir wollen nicht den Teufel an die Wand malen, aber Unglücke passieren immer dann, wenn man sie nicht braucht:

Stell dir vor, du hast im Laufe der Jahre alle Zeugnisse deines Studiums, Praktikumszeugnisse, Arbeitszeugnisse und andere Belege gesammelt und plötzlich gibt es in deinem Haus einen Wasserrohrbruch oder Brand, der alle Dokumente zerstört. Der blanke Horror!

Damit deine Dokumente und Zeugnisse niemals einem derartigen Unglück zum Opfer fallen, unsere Tipps:

  • Kopiere deine Zeugnisse gleich nachdem du sie vom Arbeitgeber erhalten hast.
  • Scanne deine Zeugnisse ein und sichere sie mindestens doppelt auf zwei getrennten Datenträgern (externe Festplatte, USB oder bei einem Cloud-Dienst deines Vertrauens wie zum Beispiel Dropbox)
  • Mindestens eine Kopie deiner Zeugnisse gehört an einen sicheren Ort, wie zum Beispiel dein Elternhaus oder, für die Sicherheitsfanatiker, in einen brandsicheren Safe.

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Signalwörter im Praktikumszeugnis:

Es gibt einige Signalwörter, die dein Praktikumszeugnis besonders aufwerten: Überdurchschnittliche Leistungen werden so mit einem Begriff im Zeugnis hervorgehoben.

Solche Signalwörter können sein:

  • überaus
  • vollste (z.B. Zufriedenheit)
  • in höchstem Maße
  • außerordentlich, außergewöhnlich
  • ausgezeichnet

Kommen solche Wörter in deinem Zeugnis vor, hast du deinen Vorgesetzten im Praktikum wohl überzeugt!

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Die Frage:
Hallo Herr Dr. Zimmermann, ich habe von Februar bis August ein Praktikum in einem mittelständischen Unternehmen absolviert. Trotz mehrmaliger Nachfrage habe ich bis heute kein Praktikumszeugnis erhalten. Wie soll ich mich verhalten und habe ich überhaupt einen Anspruch auf ein Zeugnis? Vielen Dank!


Die Antwort von Dr. Zimmermann:
Jeder Arbeitnehmer – und dazu kann man durchaus auch den Praktikanten zählen – hat Anspruch auf die Erteilung eines Zeugnisses spätestens nach Ende der dortigen Tätigkeit. Dabei gibt es zwei Möglichkeiten: das einfache und das qualifizierte Zeugnis.

Beim einfachen Zeugnis wird nur Art und Dauer der Tätigkeit aufgenommen. Eine konkrete Auflistung der Tätigkeiten mit anschließender Beurteilung der Leistungen findet dabei nicht statt. Das ist beim qualifizierten Zeugnis anders. Hier geht es gerade um eine entsprechende Bewertung. Wenn das Praktikum also optimal verlief, würde ich das Unternehmen nochmals anschreiben und eine Frist für die Erstellung eines qualifizierten Zeugnisses setzen. Und wenn das Zeugnis dann vorliegt: Kontrollieren, ob alles passt und ob die Zeugnis-„Geheimsprache“ nicht doch einen Tritt gegen das Schienbein enthält.

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